Es reibt sich die Haut mit der Lotion ein(1)

Gerade, weil man Serienmörder nicht verstehen kann – es sei denn man ist beruflich darauf spezialisiert – üben sie eine geradezu morbide Faszination aus. Durch sie haben sich Methoden und Verfahren der Kriminalistik in den letzten 70 Jahren in einem nie zuvor dagewesenen Maße weiterentwickelt. Obwohl man über Serienmörder und ihre Motive inzwischen viel gelernt hat, wurde noch nie eine Frage erörtert: Gibt es Sternzeichen, die besonders oft als Serienmörder in Erscheinung treten?

Wie immer, wenn es hier bei ZΔψ etwas über Sternzeichen zu lesen gibt gilt es, das Ganze gespannt aber auch vor dem Hintergrund zu lesen, dass das mit den Sternzeichen eine Sache mit sehr viel metaphysischem Eigenwille darstellt. Nichts desto trotz zeigen Sternbilder und Astrologie deutlich den Wunsch einiger vermeintlich verruchten Menschen auf, die Welt ohne Zuhilfenahme der wissenschaftlichen Methode besser verstehen und deuten zu wollen.

Ganz unter uns: Mit welchem Sternzeichen würden wir wohl Dr. Hannibald Lecter assoziieren, der Teile seiner Opfer im Rahmen gesellschaftlicher Soireès einem erlauchten Kreis an hungrigen Gästen kredenzte? Was sagt es über den Schauspieler Anthony Hopkins (Steinbock-Geborener) aus, der für seine schauspielerische Glanzleistung des kannibalistisch veranlagten Psychiaters ganz ohne Method Acting(2) mit den höchsten Ehren ausgezeichnet wurde?

Überblick und Datenbasis

Mit reichlich Unbehagen und gespanntem Interesse wird man bei der englischen Wikipedia allein für 462 US-amerikanische Serienmörder Daten finden:

  • in welchen Jahren sie aktiv waren
  • wie viele Opfer ihnen nachgewiesen werden konnten
  • die mögliche Zahl tatsächlicher Opfer
  • welche Namen man Serientäter aufgrund Eigenheiten gab

560 weitere Serientäter werden für die restliche Welt aufgeführt (außer Deutschland und Frankreich, deren Serienmörder in der englischen Wikipedia eine gesonderte Seite gewidment ist). Darunter befinden sich 41 deutsche weibliche und männliche Serienmörder während in der deutschen Wikpedia die Daten von allein 57 deutschen männlichen Serienmörder zur Verfügung gestellt werden. Wikipedien anderer Sprachen enthalten insbesondere für ihren eigenen Sprachraum Serienmörder, die in anderen Wikipedien teilweise nicht aufgeführt werden. Eine andere Quelle stellt die Murderpedia(3) von Juan Ignacio Blanco dar, deren Umfang Daten von 77 deutschen, männlichen Serienmörder einschließt.

Aus den o. g. Quellen wurden die Daten von 485 männlichen Serienmörder entnommen und ausgewertet. Für Europa reichen Aufzeichnungen für Serienmörder zurück bis in 15. Jahrhundert. Für 352 männliche Serienmörder konnte in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen(4) das Geburtsdatum und somit das Sternzeichen ermittelt werden(5).

Definition von Serienmörder
Ernst Gennat, Kriminalbeamter aus Berlin, benutzte erstmals den Ausdruck des Serienmörders in seinem 1930 veröffentlichen Aufsatz Die Düsseldorfer Sexualverbrechen. Als chain killer (Kettenmörder) bezeichnete der US-amerikanische Kriminologe James Reinhardt in seinem Werk Sex Perversions und Sex Crimes von 1957 jene Verbrecher, deren Taten eine Verkettung von Tod und Tragödie mit sich brachten. Die Verbreitung des Begriffes Serienmörder wird dem ehemaligen FBI-Kriminologe und Profiler Robert Dessler ab Mitte der 1970er zugeschrieben. Dessler wirkte maßgeblich am Aufbau der Abteilung für Verhaltensforschung, Behavioral Science Unit (BSU) beim FBI mit. Die Rolle des Bill Tench in der Netflix-erfolgserie Mindhunter ist Robert Dessler nachempfunden.

In der deutschen Gesetzgebung wird der Begriff des Serienmörders weder definiert noch behandelt. Im engeren Sinne wird unter Serienmörder eine Person verstanden, die in einem zeitlichen Abstand mehrere Morde begeht. Zwischen den einzelnen Morden können Monate oder Jahre liegen.

Die männlichen Serienmörder dieser Welt

Abb 1: Verteilung Serienmörder auf Länder, ZΔψ

Gemäss der verwendeten Daten können 485 Serienmörder aufgrund ihres Wirkungskreises oder ihrer Herkunft 48 verschiedenen Ländern zugeordnet werden (Abb. 1). Warum es dem US-amerikanischen FBI vorenthalten war, die Verhaltensforschung zu entwickeln und im Täter-Profiling weltweit führend zu werden wird deutlich, wenn man die Verteilung von Serienmörder und ihrer Staatsangehörigkeit/ihrem Wirkungsbereich betrachtet. Demzufolge fallen knapp die Hälfte (48.7%) aller Serienmörder auf die USA, gefolgt von Deutschland (11.8%) und Groß´britanien (7.4%).

Abb 2: Verteilung Opfer auf Länder, ZΔψ

In Österreich und Australien waren jeweils 2.5% aller weltweiten Serienmörder zu Gange wobei bspw. der Österreicher Hugo Schenk 1883 zusammen einem Komplizen 4 Dienstmädchen ermorderte. Der aus Irland stammende Alexander Pearce morderte in der Zeit zwischen 1822 und 1823 im australischen Raum und entwickelte während einer Flucht kannibalistische Züge als er zusammen mit anderen einen mitflüchtigen Deliquenten aufgrund Hungers verspeiste.

Mit 2.7% fallen auf Frankreich 13 Serienmörder. Im überlieferter Fall des Gilles de Rais – gemessen an der hohen Opferzahl von mindestens 140 einer der größten Serienmorde der Geschichte überhaupt – heißt es, dass Gilles de Rais wegen Abfalls vom Glauben, Häresie, Untugend und Frevels schuldig gesprochen und in Folge dessen erhängt wurde. Seine Opfer waren insbesondere Jungen, die er zuerst folterte und schließlich tötete.

Abb 3: Länderspezifische Opferanzahl pro Serienmörder, ZΔψ

Von einem Serienmörder aus den verschiedensten Gründe ausgewählt zu werden bedeutete für 5865 Menschen das Leben zu verlieren (Abb 2). Nur knapp ein Drittel (30.6%) der Opfer fallen auf US-amerikanische Serienmörder oder wurden in den USA ermordet. In Deutschland verloren mit 15.2% 890 Menschen ihr Leben. Obwohl in Mexico und Kolumbien nur jweils 0.82% der Serienmörder tätig waren sind sie für 4.8% (Kolumbien) und 5.5% (Mexiko) der Opfer verantwortlich. Erklärt werden kann diese Unverhältnismäßigkeit in Mexicos damit, dass Serienmörder – wie im Falle Óscar Osvaldo García Montoyas – für kriminelle Organisationen (Drogenkartelle, Drogenschmuggel) tätig waren oder diese gar anführten. Montoya war für die mutmaßliche Ermordung von 900 Menschen verantwortlich, 300 Morde konnten ihm nachgewiesen werden.

Abb 4: Tätigkeitsdauer von Serienmördern seit 1800, ZΔψ

Da Kolumbien ebenfalls für seine Drogenkartelle bekannt ist (Medellín, Cali) würde man Gleiches erwarten. Nachforschungen ergaben jedoch, dass die berücksichtigten kolumbianischen Serienmörder keine Verbindung zu kriminellen Organisationen hatten. Da kolumbianishe Drogenkartelle zur damaligen Zeit (1970er bis 1990er) äußerst brutal und kompromisslos vorgingen bedeutet dies, dass in Kolumbien die Anzahl Serienmörder und Opfer deutlich höher liegen wird sofern Tötungsdelikte wie im Falle Montoyas von einem oder wenigen Auftragsmördern begangen wurden.

Abb 5: Durchschnittliche Tätigkeitsdauer von Serienmördern, ZΔψ

Gemäss Abb. 3 liegt die durchschnittliche Anzahl Opfer pro Serienmörder in Deutschland und den USA etwas tiefer als der weltweite Durchschnitt (19 Personen). Es widerspiegelt den Umstand, dass die Opferanzahl in beiden Ländern zwar sehr hoch ist, die Anzahl an Serienmörder allerdings ebenso. Gleiches gilt für fast alle europäische Länder. Für Pakistan und Afghanistan lagen nur Daten von jeweils einem einzigen Serienmörder vor. Die Anzahl deren Opfer (100 im Falle des pakistanischen Serienmörder Javed Iqbal, 65 beim afghanistanischen Abul Djabar) liegt um ein Vielfaches höher als der globale Durchschnitt. Javed Iqbal gestand im Zeitraum von 6 Monaten 100 Minderjährige sexuell mißbraucht, erwürgt und letztlich zerstückelt zu haben, was bedeutet, im Schnitt alle 3 Tage einen neues Opfer ausgesucht zu haben.

Die Darstellung der Zeiträume (Abb. 4), in denen Serienmörder tätig waren zeigt, dass es im gesamten 19. Jahrhundert nur wenige Serienmörder gab (oder hierzu keine Daten vorliegen) während ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Anzahl Serienmörder weltweit regelrecht explodierte.

Abb 6: Serienmörder und ihre Sternzeichen ZΔψ

Die durchschnittliche Tätigkeitsdauer (Zeit ihres Wirkens) von Serienmörder in einem Land wird in Abb. 5 darstellt. Danach konnten Serienmörder durchschnittlich über 6 Jahre, mehr oder weniger ungehindert, Menschen umbringen ehe sie überführt werden. Auffallend ist, dass die durchschnittliche Tätigkeitsdauer von Serienmördern in den USA trotz aller kriminaltechnischen Fortschritten und Bemühungen höher lag (6 Jahre 6 Monate) als der globale Durchschnitt (6 Jahre 4 Monate). Ebenso auffallend ist, dass die durchschnittliche Tätigkeitsdauer von Serienmörder in der Schweiz mit über 11 Jahren lag (Deutschland: 7 Jahre 11 Monate) überraschend hoch ist.

Männliche Serienmörder und ihre Sternzeichen

Abschließend soll die eingangs gestellte – und nicht ganz ernst gemeinte – Frage beantwortet werden, ob männliche Serienmörder mit einem bestimmten Sternzeichen gehäuft vorkamen. Abb. 6 zeigt ein leichtes Übergewicht bei Serienmördern, die im Sternzeichen Wasserman geboren wurden, dicht gefolgt von Jungfrau-, und Steinbockgeborenen. Das Sternzeichen Schütze ist ebenso oft vertreten. Widder und Stiere findet man am „seltesten“ unter den Serienmördern. Die Tendenz, dass man fast doppelt so viel Wassermänner wie Widder vorfindet bildete sich bereits recht früh in der statistischen Betrachtung aus. Ob sich diese bei Berücksichtung eines noch grösseren Datenbestandes bestätigen würde bleibt fraglich.

Während der Löwe bei 267 in die Statistik einfließende Datensätzen ebenso selten wie der Widder und unterdurchschnittlich oft anzutreffen war überflügelt er im Laufe der nächsten 85 Datensätze mehr als die Hälfte aller Sternzeichen. Nicht nur aus diesem Grund sollte diese Statisktik mit viel Vorsicht und ausreichend metaphysisichem Eigenwille betrachtet werden.




(1) Zitat aus dem Film Schweigen der Lämmer: Der Serienmörder Jame Gumb befiehlt der gefangen gehaltenen Senatorinnentochter Catherine Martin ihre Haut mit einer Körperlotion einzureiben damit diese elastisch und geschmeidig bleibt. Jame Gumb benötigt einen Teil von Catherine Martins Haut um sein Hautkostüm fertigstellen zu können.
(2) Anthony Hopkins steht dem Method Acting – eine Technik, bei der Schauspieler ihre eigenen Erfahrungen zur Identifikation mit einem Charakter verwenden – sehr skeptisch gegenüber. Einmal davon abgesehen, dass Hopkins zum Glück keine dergleichen Erfahrungen machte, um sich besser mit einem Serienmörder identifizieren zu können stellt sich die Frage, durch was es Anthony Hopkins letztlich gelungen ist, die Figur des Hannibal Lecters derat überzeugend und gekonnt zu spielen.
(3) https://murderpedia.org/
(4) überschaubarer, zeitlicher Rahmen: 3 Minuten pro Serientäter, Quellen: Wikipedia, Google, Murderpedia, Behörden, Ämter, Medien.

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