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Alzheimer und der Fluch ein Menschenaffe zu sein

Mit den (großen) Menschenaffen – zu ihnen zählen die Gattungen der Orang-Utan, Gorillas und Schimpansen – die genetisch gesehen am nächsten zum Menschen stehen, teilen wir einige wundervolle Verhaltensweisen, die bei uns ein breites Schmunzeln hervorzaubern sobald wir ihnen in Zoos gegenüberstehen. Insbesondere dann, wenn man mit ihnen alleine ist überkommt einen das Gefühl irgendwie zu ihnen zu gehören und am liebsten – ungeachtet der Tatsache, dass es sich nach wie vor um wilde Tiere handelt –  würde man sich gerne zu ihnen gesellen. Wir teilen mit ihnen Verhaltensweisen – genau so wie sie mit uns ein grausames Schicksal.
Genetische Übereinstimmung
Vergleiche der menschlichen DNA(1) mit jenen der Menschenaffen ergaben folgende Übereinstimmungen:
Schimpanse 98.77 %
Gorillas 98.25 %
Orang-Utans 96.6 %

Die genetische Übereinstimmung zwischen Mensch und Gemeinem Schimpansen ist im Gehirn am grössten, im Hoden beträgt sie dagegen 32 Prozent. Das Hirnvolumen der Menschen ist durchschnittliche dreimal so groß wie das der Gemeinen Schimpansen (Mensch 1388 cm3, Gemeiner Schimpanse 385cm3)

An Gehirnen älterer Schimpansen fanden Forscher zum ersten Mal die, für die Alzheimerkrankheit typischen Merkmale wie charakteristische Faserknäuel sowie Eiweißablagerungen. Auch wenn bislang unklar ist, ob die Schimpansen während der Erkrankung ebenso unter den bekannten kognitiven Beeinträchtigungen leiden, könnte die unter Neurobiology of Aging veröffentliche Studie(2) die 20-jährige Auffassung, nur der Mensch würde an dieser verheerenden Form der Demenz erkranken, widerlegen.

In einem Gehirn mit Alzheimer wird man zweierlei vorfinden: Eine Ansammlung von Plaque, Proteinablagerungen aus dem Beta-Amyloid Peptid sowie Neurofibrillenbündel aus dem Tau-Protein. Obwohl man vermutet, dass beides für Neuronen schädlich ist gelten sie bislang nicht als Auslöser der Krankheit. Nach mehreren Theorien, die vor kurzem entstanden sind, stellen Proteinablagerungen als auch Neurofibrillenbündel lediglich Produkte der Krankheit dar und werden nicht als deren Triebfeder angesehen.

Während bei anderen Primaten die Bildung von Plaque in fortgeschrittenem Alter nichts Außergewöhnliches zu sein schien ist kein Befund bekannt, bei dem die Faserknäuel in Verbindung mit Plaque auftraten. Während einer Forschungsarbeit untersuchte die Expertin für Biologische Anthropologie Mary Ann Raghanti(3) der Kent State University in Ohio die Gehirne von 20 Schimpansen zwischen 37 und 62 Jahren (62 Jahre stellen für Schimpansen ein wahrlich biblisches Alter dar und entsprechen etwa 120 Menschenjahren) post mortem.

Amyloidose
Bei der Amyloidose handelt es sich um eine Anreicherung unlöslicher Ablagerungen (Amyloid) im Zellzwischenraum (Interstitium) bedingt durch abnorm veränderte Eiweiße (Proteine). Bei Ansteigen der Proteinkonzentration im Blutplasma, in dem Proteine normalerweise in gelöster Form vorliegen, gelangen diese in das umliegende Gewebe. Als Folge einer Enzymabwehr-reaktion bilden sich unlösliche Komplexe in Form von Fibrillen. Die Amyloid-Ablagerungen selbst können nicht behandelt werden. Durch die Verringerung oder gar Entfernung der Vorläuferproteine kann der Bildung der Amyloide jedoch entgegen gewirkt werden.

In 13 der untersuchten Gehirnen fand Raghanti amyloidotische Plaque sowie in 4 Proben Neurofibrillenbündel, die typisch für das fortgeschrittene Stadium der Krankheit sind. Bislang wurde beides lediglich ein einziges Mal im Jahre 2008 bei einem 41-jährigen Schimpansen gefunden. Man ging damals davon aus, dass beides eine Folge eines Ictus (Schlaganfall) gewesen war.

Auch wenn die Befunde eindeutig in das Krankheitsbild passen war es bis heute nicht möglich die kognitive Leistung von Tieren zu messen. Daher weiß man auch nicht, ob Plaque und Faserknäuel letztlich auch eine Demenz verursachten. Die amyloidotische Plaque wird mit dem Absterben der Neuronen (Hirnatrophie) in Verbindung gebracht, welches während der Forschungsarbeit nicht gemessen werden konnte.

Um ein besseres Bild der Krankheit bei Schimpansen erhalten zu können bedarf es der Entwicklung von neuartigen Tests mit denen Gedächtnisverlust, räumliche Desorientierung, Schlafstörungen sowie ungewöhnliches Sozialverhalten gemessen werden können.

 


(1) die Übereinstimmung bezieht sich auf die Basenpaare der Einzelnukleotid-Polymorphismen, Näheres hierzu: http://www.genesisnet.info/index.php?News=87&Sprache=de
(2) http://www.neurobiologyofaging.org/article/S0197-4580(17)30239-7/fulltext
(3) https://www.kent.edu/anthropology/profile/dr-mary-ann-raghanti