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Der Klimawandel bedroht die Langlebige Kiefer

Manche von ihnen waren als junge Triebe bereits an Ort und Stelle als die Sumerer die Keilschrift erfanden. Sie er- und überlebten den Aufstieg und Niedergang einiger Herrscher und Reiche, die Entdeckung und Besiedlung des nord- amerikanischen Kontinentes und 44 Präsidenten. Doch heute droht der Langlebigen Kiefer, deren ältester Vertreter über 5.000 Jahre arglos vor sich hin vegetieren konnte durch das Ansteigen der Temperaturen in Folge des Klimawandels das Aussterben.

Die ältesten und genetisch einzigartigen Exemplare der Langlebigen Kiefer (pinus longaeva) leben in einem Höhenbereich zwischen 2.900 und 3.500 Meter in den White Mountains (Kalifornien) dicht unterhalb der Baumgrenze.

Aufgrund der recht kühlen Luft, geringen Niederschlagsmengen und kargem, felsigen Kalkboden überleben in dieser rauen Umwelt nur die anspruchslosesten und zugleich resistentesten Baumarten. Pro Jahr legen die Langlebigen Kiefern 2.5 Zentimeter an Umfang zu und erreichen in Kniehöhe Stammdicken von bis 6.5 Metern. Aufgrund der Exaktheit und Genauigkeit der Baumringe wird die Langlebige Kiefern zur Kalibrierung der Zeitskala der Radio-Karbon-Methode verwendet(1)Das langsame Wachstum kombiniert mit der Abwesenheit von unmittelbarer Konkurrenz sowie Parasiten tragen zu ihrer bemerkenswerten Langlebigkeit bei.

Wie Brian Smithers, Ökologe an der University of California in Davis und Co-Autor einer durchgeführten Studie über diese urzeitlichen Giganten, mitteilte, könnte die Kiefernart nun aufgrund des Klimawandels und der damit verbundenen Temperaturzunahme vom Aussterben bedroht sein.

I think what’s going to happen — at least in some areas — is that we’re going to lose bristlecone

Brian Smithers, Ökologe an der University of California, Davis(2)

Wie Smithers weiter ausführt sind die Temperaturen oberhalb der Baumgrenze normalerweise zu kalt um Baumwachstum zu ermöglichen. Jedoch sorge die globale Erwärmung dafür, dass die Baumgrenze insgesamt nach oben verlagert würde. Da letztlich die Temperatur reguliert, wo Bäume wachsen bedeute dies, dass die Langlebige Kiefer in höher gelegene Regionen ausweicht.

Um herauszufinden, ob sich die Langlebigen Kiefer in Richtung höhere Lagen bewegen, bestimmten Smithers und seine Kollegen die historische Baumgrenze indem sie die Lage von ausgewachsenen Bäumen mit einer Mindesthöhe von 3 Meter kartographisch erfassten. Anschließend ermittelten sie die Anzahl junger Bäume über und unter dieser historischen Baumgrenze .

Wie Smithers auf der Jahrestagung der American Geophysical Union in San Francisco berichtete stellten sie fest, dass die meisten Jungbäume in höher gelegenen Lagen Nevada-Zirbelkiefern (Biegsame Kiefer) zu sein schienen, die sogar auf dem felsigen Kalksteinböden gedeihen konnten. Es stellte sich heraus, dass die Zirbelkiefern durch den heimischen Nussknacker-Kiefernhäher unerwartete Hilfe bei deren Ausbreitung erhielt indem er deren Samen fraß und im Umfeld verstreute.

Kiefernhäher, Quelle: Florin Chelaru, Wikipedia, Flickr

Dies führt zu einer schnelleren Ausbreitung der Zirbelkiefer in neue Lebensräume. Nach Smithers gewinnt der, der einen Lebensraum zuerst in Beschlag nimmt.

 

And it looks like limber pine is just better able to get there quicker

Brian Smithers, Ökologe an der University of California, Davis

Zusammengefasst bedeutet dies, dass höhere Temperaturen oberhalb der Baumgrenze zu begehrteren Lebensräumen und letztlich zu einer höheren Konkurrenz für die Langlebigen Kiefern führten.


(1) https://journals.uair.arizona.edu/index.php/radiocarbon/article/view/787 und http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/JC078i036p08849/abstract
(2) https://f1000research.com/posters/1096599
Artikelbild: Langlebige Kiefer (pinus longaeva) Quelle: Stan Shebs, Wikipedia