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Die Oberflächentemperaturen der Meere nehmen deutlich zu

Eine 2015 im Science veröffentlichte und in der Folge sehr kontrovers diskutierte Datenanalyse der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Adminstration) nach der es in den 15 Jahren vor 2015 zu keiner nachweisbaren Verlangsamung der Erwärmung der Meere kam wurde nun durch unabhängige Daten von Forschern der University of California Berkeley und Berkeley Earth bestätigt(1).

 

Weltklimarat IPCC vs. NOAA
(Bildquelle: NOAA)

 

In seinem Fünften Sachstandsbericht (2013-2014), der sechste wird 2017 erwartet, schlussfolgerte der IPCC  (Intergovernmental Panel on Climate Change),  dass die Verlangsamung  in der Zunahme der globalen Meeresoberflächentemperatur („hiatus“) zwischen 1998 und 2012 deutlicher ausfiele als jener Trend, der sich aus den 60 Jahren zuvor ergäbe(2).

Eine NOAA-Datenanalyse aus dem Jahr 2015 widersprach dieser verbreiteten Ansicht und postulierte, dass die Erwärmungsrate in den letzten 15 Jahren mindestens genauso hoch war wie jene, die für die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts ermittelt wurde.

Laut Thomas R. Karl, Direktor des  NOAA NCEI (National Centers for Environmental Information)  begründete sich die Einschätzung des IPCC durch eine stark begrenzte Menge an vergleichbaren Messdaten aus der Vergangenheit(3).

 

 


Unterschiedliche Messmethoden und Temperaturwerte

Bis Mitte der 1970er wurden die Messungen der Meeresoberflächentemperaturen vorwiegend durch Schiffe vorgenommen. Die schnell bedeutsamer werdenden Bojen konnten die Temperaturen mit einer deutlich höheren Genauigkeit bestimmen. Zudem lagen die durch Bojen gewonnenen Daten aufgrund der Messmethodik generell tiefer als jene der Schiffe. Selbst dann, wenn die Messungen im  gleichen Meeresgebiet vorgenommen wurden. Um die verschiedenen Messdatenreihen für eine aussagekräftige Trendanalyse überhaupt verwenden zu können bedurfte es einer Methode, die Messdatenreihen vergleichbar zu machen. Zurückzuführen war das NOAA-Postulat eines gegenteiligen Trends, d. h. dass sich die Weltmeere mindestens im selben Maße aufwärmen wie im letzten Jahrhundert, auf

(Bildquelle: NOAA)

 

  • die Berücksichtigung von Daten aus den Jahren 2013 und 2014 (dem bis dahin heißesten Jahr seit Aufzeichnungsbeginn)
  • die Verwendung  von besser aufbereiteten Daten der Oberflächentemperaturen von Wasser und Luft (Land)
  • eine substantielle Verbesserung  durch eine notwendige Korrektur, die der unterschiedlichen Messdatenerfassung auf Bojen und Schiffen Rechnung trägt

Im Ergebnis entkräftete das NOAA nicht nur den gemeinhin vertretenen und verharmlosenden Trend, der insbesondere von Skeptiker des Klimawandels aufgegriffen wurde um einen bevorstehenden Klimawandel abzustreiten, sondern zeigte, dass die Erwärmung der Weltmeere stärker als angenommen voranschreitet.

 

Bestätigung der NOAA-Resultate durch unabhängige Studie

Ebenso im Science wurden Anfang Januar 2017 die Ergebnisse einer weiteren, unabhängigen Datenauswertung veröffentlicht, die das NOAA-Postulat auf eindrückliche Weise stützen.

Entgegen der NOAA-Vorgehensweise,  durch Schiffsmessungen gewonnene, alte Daten mit jenen von Bojen zu harmonisieren und die Datenbasis zu vergrößern, verwendeten Wissenschaftler rund um Zeke Hausfather(4), Doktorand an der UC (University of California) Berkeley, Daten aus Satellitenaufzeichnungen oder Messungen durch automatisierte Treibbojen (Drift Buoys/Profiling floats) und herkömmlichen Bojen (verankert, Moored Buoys).

(Bildquelle: Zeke Hausfather et la., UC Berkeley)

In nebenstehender Grafik ist die seit 2000 zunehmende Relevanz der Treibbojen (gelb) sowie die deutlich verringerte Bedeutung von Schiffsmessungen (dunkelblau) bei Überwachung der Meeresoberflächen-temperatur (SST = Sea Surface Temperature) dargestellt.

Bei Auswertung der Daten aus allen Datenquellen konnte der Trend, den die NOAA 2015 postulierte, wiedergefunden werden. Demzufolge werden sich die Meere ab dem Jahr 2000 um 0,12° Celsius pro Jahrzehnt erwärmen.

(Bildquelle: Zeke Hausfather et la., UC Berkeley)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


(1) http://advances.sciencemag.org/content/3/1/e1601207.full
(2) https://www.ipcc.ch/report/ar5/
(3) http://www.noaanews.noaa.gov/stories2015/noaa-analysis-journal-science-no-slowdown-in-global-warming-in-recent-years.html
(4) https://erg.berkeley.edu/people/hausfather-zeke/